Kapitel – Fühlen
Dein Fühlen ist ein wesentlicher Schlüssel zu einem heilsamen und erfüllten Leben sowie zu einer tiefen, gesunden Verbindung mit dir selbst und deiner Gefühlswelt. Fühlen ist nicht gleich Spüren, doch liegt das Fühlen der Körperempfindung nahe. Es ermöglicht dir, deine Gefühle, Bedürfnisse und inneren Zustände wahrzunehmen und mit der Welt in Beziehung zu treten.
Fühlen verbindet, es verbindet dich zuallererst mit dir selbst, mit deinem Herzen, mit deinen Bedürfnissen, mit deinem Sein. Fühlen verbindet dich aber auch mit allem anderen, seien es Menschen, Tiere oder die Natur, aber auch mit künstlichen Strukturen oder geistigen Objekten, wie einer Idee, einer Vorstellung oder einem Traum. Über das bewusste Fühlen entwickelst du die Fähigkeit, Gefühlszustände zu regulieren und deine innere Balance zu stärken. Hierbei geht es nicht nur um das Fühlen von Emotionen, sondern um einen feinen, wahrnehmenden Kontakt zu deinem gesamten psychischen und körperlichen Erleben.
Fühlen ist aber weit mehr als Beobachten, es ist eine direkte Anteilnahme an der eigenen Innenwelt. Fühlen ist ein Wahrnehmungskanal. Fühlen kann auch ohne Bezug zur Aussenwelt geschehen. Wenn du die Augen schliesst, kannst du dich fühlen, wie du gerade bist, ohne es zu benennen – eine direkte Hinwendung. Es ist aber auch eine Hinwendung über dich hinaus, ein Über-sich-hinaus-Fühlen. Fühlen ist schwer in Worte zu fassen. Wenn wir das Fühlen nicht mit Gefühlsbegriffen eingrenzen, ist es einfach eine direkte Hinwendung, ein direkt erlebbares Wahrnehmen. Das, was du von der Welt erleben möchtest, erfährst du übers Fühlen, nicht übers Denken. Geistige Reifung beinhaltet immer auch eine emotionale Reife. Erst diese Kombination ermöglicht echtes und integres Sein.
Warum ist Fühlen so wichtig?
Fühlen ist weit mehr als nur Gefühle zu fühlen, es ist ein Wahrnehmungs-kanal, durch den du die Welt und dich selbst viel umfassender erlebst. Egal ob du ein Buch liest, einen Film schaust, dich mit jemandem triffst, einen Tee trinkst, in die Ferien fährst, tanzen gehst oder etwas isst: Prinzipiell geht es um das Erlebnis, und das erfahren wir durchs Fühlen. Wir nehmen über das Fühlen viel mehr und umfassender Informationen wahr als über andere Sinne. Vor allem aber ist Fühlen zur tiefen Selbst-wahrnehmung und zum Erleben unabdingbar, ja überhaupt Voraussetzung.
Wenn du jedoch von deinem Fühlen abgeschnitten bist, sei es durch Blockaden oder emotionale Unterdrückung, fehlt dir ein wesentlicher Teil der Ganzheit als Mensch. Dein Sein ist dann nicht vollständig, und du versuchst unbewusst, diesen inneren Mangel durch übermässige Stimulierung mit Sinnesreizen oder das Erleben von spektakulären Emotionen oder mentaler Kontrolle zu kompensieren. Bist du im Fühlen blockiert, erscheint die Welt oft stumpf, reizlos oder unerfüllend. Gefühle fehlen dann natürlich nicht gänzlich, aber wenn dein Fühlen unterdrückt wird, dann benötigst du immer stärkere äussere Reize, um überhaupt etwas zu spüren bzw. zu fühlen. Diese Reize führen dich jedoch häufig in extreme Zustände, die nicht regulierend oder nachhaltig erfüllend sind.